Historisch

Tödlicher Glaube

Miss Dorothea Truelove, Dame aus gutem Hause, führt ihre wohltätige Arbeit ins Oakgate Gefängnis. Ihre Besuche und die Zuwendung zu den Gefangenen ist jedoch nicht ganz uneigennützig. Heimlich widmet sie sich dem Studium der Phrenologie. Doch als sie Ruth Butterham kennen lernt, muss sie sich der Frage stellen, ob der Glaube so stark sein kann um Menschen zu töten. Denn Ruth verleiht in ihrer Arbeit als Näherin ihren Werken mit der Nadel und Emotionen, die Macht Leben zu nehmen. Ein langer blutiger Faden dieser Künste zieht sich durch ihre Existenz. Kann Dorothea zum wahren Kern der Geschichte vordringen oder muss sie erkennen, dass sich zwischen Himmel und Erde auch Mysterien verbergen, die man nicht mit einem Kraniometer messen kann.

Laura Purcell ist als englische Autorin fasziniert von den dunklen Seiten der Geschichte. Das Korsett ist mittlerweile ihr 2. ins deutsch übersetzte Werk. Sie schafft es den rauen Ton und die damaligen Sitten des viktorianischen Zeitalters lebensnah und schon fast greifbar in ihr Buch einfließen zu lassen. Ihre beiden Protagonistinnen könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Herkunft, Bildung und die Art der Lebensführung liegen in zwei völlig fremden Welten und doch existieren beide Frauen im gleichen Moment. Ohne jegliche Romantisierung dieser Zeit nimmt sie uns mit in die Schrecken des Alltags einer Arbeiter Familie, deren Existenz vom kleinsten Ungleichgewicht komplett aus den Fugen geraten kann. Ruth erzählt uns, wie sich ihr bisheriges Leben zugetragen hat und obwohl Dorothea beim Verlassen der Zelle in ihr sorgloses Leben zurückkehrt, plagen sie ganz eigene Nöte. Diesem ganzen Schauspiel und der nicht enden wollenden Abwärtsspirale bei zu wohnen war äußerst fesselnd, wenn gleich die menschlichen Abgründe eine stetig grausen lassen. Die Umsetzung der historischen Komponente war in meinen Augen sehr gelungen und just in dem Moment, als ich anfing bemängeln zu wollen, dass es sich jedoch nicht um einen Thriller handelt, kommt die Autorin mit dem Ende um die Ecke. Ich habe die letzten Kapitel, im Unglauben über die Geschehnisse kaum atmen können und meine Augen hetzten förmlich über die Wörter. Wie auch in „die stillen Gefährten“ überlässt Laura Purcell am Ende dem Leser was er Glauben möchte. In diesem Buch ist alles möglich, von der rationalen bis zur mysteriösen Seite oder sogar einer Koexistenz von beidem. Ein sehr einnehmender Schreibstil, gelungene Umsetzung historischer Begebenheiten, ein Gespür für die Darbietung von Dramatik und einem Ende, was einen keinesfalls unberührt zurücklässt, konnten mich restlos überzeugen.

Fazit: Ein klares Must- Read. Gelungene historische Umsetzung, menschliche Abgründe aus dem viktorianischen Zeitalter und fesselnde Traurigkeit, verpackt in ein wunderschönes Buch mit einer unglaublichen Geschichte.

Einen großen Dank an den Festa Verlag, für das bereitstellen des Rezensionsexemplars.

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