Historisch

Das Auge des Tages 

1905 kommt Margaretha Geertruida Zelle mit nicht einem Geldstück nach Paris. Sie hat alles verloren, ohne Geld und ohne ihre geliebten Kinder, tritt sie die Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann an. Obwohl sie mittellos in dieser riesigen Stadt steht, hat sie einen Traum. Eine Vision von festlichen Empfängen, schönen Kleidern, funkelndem Schmuck, stattlichen Männern in Uniformen, gut betuchten Bekanntschaften und Champagner im Überfluss. Eine Welt zu der ihr ohne Mann, Vermögen oder Adelstitel jedweder Zugang verwehrt bleiben wird. Doch die junge Margaretha ist schön und als bei ihrer Ankunft in Paris, das Schicksal förmlich in sie hineinrennt, packt sie die Gelegenheit beim Schopf und erschafft sich, mit ihrem Hang zur Hochstapelei völlig neu. Bühne frei für die geheimnisumwobene, erotische Tänzerin Mata Hari.

Die exotische, mysteriöse Schönheit, die Anfang des 19. Jahrhunderts erst die feine Pariser Gesellschaft und später international alle Menschen, jedweder Schicht in ihren Bann zog ist durchaus keine unbekannte. Mata Hari, von der gefeierten Künstlerin zur Spionin, doch wie viel davon ist wahr und wie sah es in Margarethas innerem aus, wenn der letzte Schleier gefallen, das Bühnenlicht verloschen, die Champagnergläser geleert und der Liebste gegangen war? Eindringlich erleben wir sie, nach dem sie aus ihrer Beziehung und dem Verlust des Kindes flüchtet und diese erotische Version ihrer selbst erschafft. Wir begleiten Mata Haris Aufstieg, hüpfen durch jede Menge Betten, verlieben uns Hals über Kopf mit ihr und spüren dennoch in manchen einsamen Stunden die traurige, sehnsüchtige und verzweifelte Margaretha. Historisch gesehen, konnte ich dem Buch leider nicht allzu viel abgewinnen. Ihre Tändelei mit vielen Männern gehört nun mal zu ihrem Leben und musste auch so dargestellt werden. Ihr Aufstieg war interessant, wenn auch zu weilen anstrengend zu verfolgen. Leider entdeckt Mademoiselle Hari hinter jedem Vorhang die große und einzig wahre Liebe und so stürzen wir mit ihr durch unzählige Ernüchterungen, was zur Darstellung ihrer Person und zum Verständnis späterer Entscheidungen durch aus von Belang war. Dass ihr Karriereende auch vom Ausbruch des 1. Weltkrieges maßgeblich beeinflusst wurde kam leider nicht so rüber. Was schade ist, da es die Brücke zu ihrer Spionagetätigkeit besser geschlagen hätte. Zwar wurde diese im Laufe der Zeit immer ausgeschmückter dargestellt, als es wahrscheinlich wirklich der Fall gewesen war. Dennoch hätte ich mir auch für den Untergang dieser strahlenden Sonne mehr als 10 Seiten an zusammen gekürzten Fakten gewünscht. Wobei der Tenor auch hier wieder auf „einfach der falsche Typ“ lag, wobei das tatsächlich nur ein Bruchteil der ungünstigen Entwicklungen ausgemacht hat. Dieser „bedeutenden Frau, die die Welt veränderte“ hätte in dem Buch etwas mehr historischer Kontext / Tiefe und weniger detailreiches Bettgehüpfe, mit einer Aufreihung ihrer Auftritte und Bekanntschaften gutgetan.  

Fazit: netter Exkurs um die Entstehung, Glanzzeit und Gefühlswelt von Mata Hari, doch historisch war mir das Buch einfach zu oberflächlich, allem voran was ihren Untergang betrifft. Als kurzweilige Lektüre vertretbar, wer geschichtliches Interesse an ihr hat, muss wohl Abstriche machen.

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